Form folgt Bildung
Wie durchdachtes Design im Westerlundska Gymnasium eine neue Lernkultur möglich macht
Mit dem Neubau des Westerlundska Gymnasiums in Enköping/Schweden* ist ein Lernort entstanden, der versucht, architektonisch und gesellschaftlich neue Maßstäbe zu setzen. Die Gemeinde hat gemeinsam mit dem Architekturbüro White Arkitekter und dem Einrichtungsexperten Kinnarps ein Gebäude realisiert, das zeigt, wie Schule heute verstanden werden kann: als offener, flexibler und inklusiver Raum, der individuelles Lernen, Gemeinschaft und gesellschaftliche Teilhabe in den Mittelpunkt stellt.
Lebendiger Treffpunkt
Rund 1.500 Schüler*innen und 200 Mitarbeitende finden hier eine Umgebung vor, die mehr bietet als klassische Klassenzimmer. Die neue Schule ist ein offenes Haus, in dem Bibliothek, Aula, Lernlandschaften und Mensa ineinandergreifen und sich gegenseitig ergänzen. Herzstück ist ein großzügiger, lichtdurchfluteter Eingangsbereich mit der zentralen Bibliothek. Er verbindet die drei Gebäudeteile der Schule und sorgt für Inspiration und Begegnung. Die transparente Gestaltung und offene Sichtachsen fördern Orientierung, Nähe und gegenseitiges Vertrauen.
Sorgfältige Planung
Bereits in der Planungsphase wurde großer Wert auf eine umfassende Beteiligung gelegt. Lernende und Lehrkräfte, Verwaltung und externe Fachleute konnten ihre Perspektiven und Bedürfnisse einbringen. In Form von Workshops, Pilotprojekten und Studienbesuchen entstand ein fein abgestimmtes Raum- und Nutzungskonzept. Dabei wurde deutlich: Lernen findet nicht nur im Klassenzimmer statt, auch informelle Treffpunkte, flexible Möblierung und Rückzugsräume sind entscheidend für eine gelungene Schulkultur. „Indem wir auf Expert*innenwissen, einen Testraum mit verschiedenen Einrichtungslösungen und die Rückmeldungen unserer Jugendlichen und Mitarbeitenden gesetzt haben, ist das Ergebnis wesentlich besser geworden, als wir es aus vergleichbaren Projekten kennen“, sagt Schulleiterin Martina Ericson.
Harmonische Farben
Das Einrichtungskonzept von Kinnarps folgt diesem Ansatz konsequent. Gemeinsam mit der Schule wurden Möbel ausgewählt, die sich an wechselnde Lernformen anpassen lassen: ergonomische Sitzmöbel, höhenverstellbare Tische, zonierende Akustikpaneele und Rückzugssofas ermöglichen konzentriertes Arbeiten ebenso wie Gruppenarbeit oder informellen Austausch. Die Gestaltung setzt auf natürliche Materialien, harmonische Farben und eine ruhige Formsprache für eine bessere Orientierung und ein gutes Raumgefühl und Wohlbefinden. Indem visuelle Reize reduziert wurden, ist eine Umgebung entstanden, die Konzentration und Klarheit begünstigt.
Lernen geht überall
Auch Mensa und Flure wurden bewusst als Teil des pädagogischen Raums verstanden. Flexible Tischgruppen, grüne Inseln mit Pflanzmodulen, mobile Möbel und hohe Rücklehnsofas machen sie zu echten Lern- und Lebensräumen. Selbst die sanitären Anlagen wurden in enger Abstimmung mit Schüler*innen und unter Berücksichtigung von Barrierefreiheit, Rückzugsbedürfnis und Sicherheitsgefühl geplant.
Das Ergebnis ist eine Schule, die viel kann: Sie vermittelt nicht nur Wissen, sondern gibt jungen Menschen das Gefühl, gesehen, ernst genommen und unterstützt zu werden. Sie fördert Verantwortung, Selbstwirksamkeit und soziale Kompetenz. Und sie öffnet sich bewusst zur Stadtgesellschaft mit Räumen, die auch außerhalb des Unterrichts genutzt werden, etwa für Veranstaltungen, Konzerte oder Mittagessen.
Das Westerlundska Gymnasium ist ein Modellprojekt für gelungene Schulentwicklung und ein Beweis dafür, was möglich ist, wenn Pädagogik, Architektur und Möblierung von Anfang an zusammengedacht werden.
*Enköping liegt eine Autostunde nordwestlich von Stockholm entfernt.
Mehr Infos: Referenz: Das neue Gymnasium „Westerlundska Gymnasiet“
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